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Arkadien im frühen europäischen Landschaftsgarten
Date Submitted: 30/07/2007 Date Last Modified: 31/07/2007

Gestaltete Gärten prägten immer schon die Bildvorstellungen vom Paradies, vom Garten Eden, vom Goldenen Zeitalter, vom Elysium. Auch die idyllischen Imaginationen des arkadischen Hirtenlebens fanden in Gartenentwürfen, Skulpturenprogrammen und Gartenstaffagen ihren Ausdruck. Gartenanlagen werden geradezu unreflektiert mit dem Begriff Arkadien in eins gesetzt. Man spricht von Preußens Arkadien, wenn man die Gärten der Preußenkönige um Potsdam meint. Ein gleiches gilt für die Gärten der Zarin Katharina II. von Russland bei Petersburg, für die Parke des Fürsten Pückler, die Gärten um Weimar, die Dessau-Wörlitzer Anlagen und die Gärten um München oder Wien.


Um die Mitte des 18.Jahrhunderts gestalteten die Schöpfer der ersten Landschaftsgärten arkadische Gefilde in ihre Anlagen hinein. Das neue Gartenideal entsprach in hohem Maße dem durch Dichtung und bildende Kunst geprägten Arkadienbild. Ein künstlerisch gestalteter Landschaftsausschnitt erzeugte beim Betrachter die Illusion der freien Natur, vereint mit den Annehmlichkeiten menschlicher Kultur.

Arkadien und Politik - Frankreich, Polen und Deutschland

Der Park von Ermenonville in Frankreich
Der Marquis René Louis de Girardin (1735–1808) hatte sich noch vor Ende des Siebenjährigen Krieges aus dem Militär zurückgezogen und, nach einer Zeit am aufgeklärten Hof des Exil-Königs von Polen Stanislas Leszczynski, in Lunéville und nach Bildungsreisen durch Italien, Deutschland und England seine ererbte Herrschaft Ermenonville übernommen. Girardin las mit Begeisterung Rousseaus Schriften und fand in der Anlage der ornamented farm "The Leasowes" des Dichters William Shenstone (1714–1763) in Warwickshire sein Ideal der Verbindung des Schönen mit dem Nützlichen, der Bevorzugung des ländlichen Lebens. Shenstone, wurde nicht nur durch seine Schäfergedichte, Oden und Balladen berühmt. Er hatte zwischen 1745 und 1763 seine verschönerte Landschaft unter anderem mit einem Tal der Venus mit einer Statue der Venus Medici und einem Tempel für Pan, den Gott der der Schäfer, ausgestattet, dessen Statue mit der Hirtenflöte Syrinx und der Tibia, einer Holzflöte, ausgestattet war. „The Leasowes“ wurde geradezu als eine „perfectly Arcadian farm“ empfunden.


Von 1763 bis 1776 gestaltete Girardin sein Gut Ermenonville mit rund 200 englischen Gärtnern und mit Hilfe des Gartenkünstlers Jean-Marie Morel (1728–1810), später des Malers Maler Hubert Robert (1733–1808) in eine poetische Landschaft um, in der auch die Bauern durch Verpachtung von Bauernhöfen am Wohlstand teilnehmen sollten. Am Ende seines 1775 geschriebenen Werkes „De la Composition des Paysages“ – 1779 in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Von Verschönerung der Natur um Landwohnungen“ erschienen – fasst Girardin sein gesellschaftsreformerisches Konzept der arkadischen Gartenidee zusammen. Es würde die bisher besitzlosen Bauern zu eigenverantwortlichen Pächtern machen und dadurch eine größere Gerechtigkeit in der Verteilung der Landfrüchte erfolgen, die „bürgerliche Verfassung“ der „natürlichen“ annähern. Die Wohnungen der glücklichen Landleute würden dann in der Nähe der Landsitze der Landbesitzer stehen, eine arkadische Idylle: „Ein simpler kleiner Weg durch Hecken und Zäune könnte ihn dann zu Aussichten interessanter und mannigfaltiger Landschaften führen, wo er zugleich das immer lebhafte Schauspiel der Feldarbeiten vor Augen hätte. Durch diese Einrichtung würde man sich Krankheiten, Langeweile, unnütze Kosten, und den Verlust so vieles Erdreichs in ungeheuren und traurigen Parken ersparen; man würde das Elend entfernen, und Glück umher verbreiten, und, durch diese Verbindung des Angenehmen mit dem Nützlichen, Ruhm und innre Belohnung einerndten. Vielleicht kömmt einmal eine Zeit, wo die Menschen, wenn sie alle Thorheiten erschöpft haben, weise genug seyn werden, die wahren Freuden der Natur der Schimäre und Eitelkeit vorzuziehen.“


1778 holte Girardin den von ihm bewunderten Rousseau nach Ermenonville und als dieser starb, ließ er ihn auf der Schwaneninsel, die fortan Pappelinsel genannt wurde, beisetzen. Girardin errichtete ihm ein provisorisches, von einer Urne bekröntes Grabmal. Sein Ermenonville erhielt entsprechend seiner Arkadiensehnsucht auch eine arkadische Partie mit Schäferhütten, lieblichen Tälern und Liebesdenkmälern.
»Wie gut schickte sich so eine Lage, das Andenken von der glücklichen Lebensart der ersten Menschen in dem glücklichen Arkadien zu erneuern! besonders wenn diejenigen, denen sie gehörte, sie zu benützen und zu genießen wüßten.«


In seinem Wegweiser »Promenade ou Itinéraire des Jardins d`Ermenonville« von 1788 durch die Gärten von Ermenonville schrieb Mérigot: „Die Bilder der arkadischen Wiese werden alle diesen einfachen und ländlichen Charakter haben, so sehr passend für Orte, von denen man annimmt, dass sie von guten Menschen bewohnt gewesen sind.“ An anderer Stelle schrieb Mérigot über den Garten, der von Besuchern aus ganz Europa, ja vielen gekrönten Häuptern (darunter Kaiser Joseph II. und Königin Marie Antoinette) eifrig besucht wurde: "Von der Bank am Ufer genießt man die Aussicht auf die Arkadische Wiese in ihrer ganzen Weite. Im Vordergrund dieses Bildes steht eine Schilfhütte, gegen eine alte Eiche gelehnt, deren Äste sich weit ausbreiten, um die Wohnung, die sie schatten, gegen das Toben der Winde zu schützen. Diese einfache Bleibe erinnert an die Hütte von Philémon und Baucis."
An einer Eiche gegenüber einer Grotte hatte Girardin eine eigene Schäferidylle nach dem Vorbild des Longus mit Noten angebracht: „Ach! Chloé! ich liebe dich, weil deine Seele genauso sanft ist wie die Anmut, die dich verschönt. Diese Grotte aus Grün habe ich für dich gemacht … Sie ist geschirmt vor der Mittagsglut; die Zephire allein gelangen hinein … Und Chloé wird Daphnis lieben, denn kein Hirt kann sie lieben, kann sie mehr lieben als er … Oh mein Freund, sagte sie, indem sie sich näherte und ihre Hand nach Daphnis ausstreckte, ich komme in deine Grotte und wir werden dort glücklich sein; denn ich liebe dich mehr als mein Lamm die blühenden Kräuter liebt, mehr als die Bienen den zarten Duft der Blumen lieben.“


Natürlich kannte Girardin auch die arkadischen Schäferprosa von Longus bis Gessner. Den Schäferroman der Astrée von Honoré d`Urfée (Tafeln zum Forez und zu Weimar) kannte er zumindest in der Bühnenfassung von La Fontaine von 1691. Die Schäfer und Nymphen Daphnis und Cloe, der Hirte Hylas und die Nymphe Ismene, aber auch die Druiden aus der Astrée erhielten in seinem Garten Ermenonville eigene Denkmäler, Pflanzungen oder Staffagebauten.


Die Revolution in Frankreich begrüßte der Emigrant Girardin zunächst enthusiastisch. Er kehrte nach Ermenonville zurück und wurde ein begeisterter Jacobiner. Als angeblicher „mauvais citoyen“ wurde er jedoch am 31. August 1793 verhaftet und zusammen mit seiner Familie und den anwesenden Freunden im Schloss unter Arrest gestellt. Die Gärten von Ermenonville wurden auch unter Beteiligung seiner eigenen Bauern von einem entfesselten Mob verwüstet. Girardins in die Revolution gesetzte Hoffnungen zerstoben und die Enttäuschung über seine undankbaren Dorfbewohner saß so tief, dass er Ermenonville am 20. August 1794 für immer verließ und sich nach Vernouillet, nordöstlich von Paris auf die Besitzung eines Freundes zurückzog.

     

Der Park Arcadia in Polen
Der in Polen von 1778 bis 85 gestaltete Garten der Fürstin Helena Radziwiłł (1753–1821), rund 80 km von Warschau entfernt, hatte auch in Kenntnis des Gartens von Ermenonville ganz offiziell den Namen „Arcadia“ erhalten: Der Garten Arcadia drückte nicht nur die Sehnsucht nach Frieden, Aufklärung und Antike aus. Er symbolisierte gleichzeitig das nostalgische Sehnen der polnischen Aristokratie nach der untergegangenen polnischen Adelsrepublik.


Der Wörlitzer Park in Deutschland
Im Wörlitzer Garten erhielt eine Partie – wohl auch in Anlehnung an Ermenonville den Namen „Arkadisches Tal“: In dem offiziellen Wegweiser durch den Wörlitzer Garten schrieb August Rode 1788: Setzt man „den Weg nach linker Hand fort, so verbergen in einiger Entfernung hinter dem genannten runden Gebüsche an der Drehbrücke in gefünfter Ordnung stehende Pappeln auf dieser Seite den Anblick des Schlosses gänzlich. Nirgends täuscht uns die Einbildungskraft mehr als hier. Man glaubt sich auf einmal in ein einsames Arcadisches Thal versetzt. Der Anblick der Urne auf dem Grabhügel. Erinnert an Poussins: Auch ich lebte in Arcadien. Man wandelt zwischen weichen Rasen dahin. Angenehmes Gehölz beschränkt die Aussicht.“
Auch der Garten von Arcadia bei Warschau und die Anlagen im Wörlitzer Garten reflektierten nach dem Vorbild von Ermenonville politisch-reformerische Sehnsüchte im Bild einer arkadisch-utopischen Idylle.
Im frühen Landschaftsgarten sollte der Traum von Arkadien wenigstens für den Moment des Durchschreitens gelebte Wirklichkeit werden.


Arkadische Szenen finden sich in vielen Landschaftsgärten in England, etwa in Stowe, Stourhead oder West Wycombe, in Frankreich, etwa in Méréville oder Désert de Retz., in Deutschland im Seiferesdorfer Tal, Weimar, Tiefurt, in Alt-Madlitz, im Englischen Garten München, Schwetzingen, Nymphenburg.

 

 
 
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