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Die Landschaft Arkadien zwischen der Antike und heute
Date Submitted: 30/07/2007 Date Last Modified: 31/07/2007


Die Besonderheit der realen griechischen Landschaft Arkadien (Abb. 1) schilderte im 2. Jahrhundert n. Chr. der antike Reiseschriftsteller Pausanias (ca. 115–175 n. Chr.) im VIII. Buch seiner Beschreibungen Griechenlands. Er stellte fest, dass Arkadien die einzige Großlandschaft Mittel- und Südgriechenlands sei, die keinen direkten Zugang zum Meer habe. Es fehlt demnach die Durchdringung von Land und Wasser, die für die übrigen Teile der Peloponnes so charakteristisch ist. Die Landschaft Arkadiens ist geradezu inselhaft, da sie – durchzogen von unwegsamen, rauen und kargen Gebirgszügen – nach außen abgeschlossen und unzugänglich erscheint. (Abb. 2) Doch ziehen sich dichte Tannenwälder und grüne Matten über die bis zu 2000 m hohen Berge. Reißende Gebirgsbäche fließen in Schluchten und machen Arkadien zum wasserreichsten und mit seiner üppigen Vegetation aus Laubbüschen und Blumenwiesen auch zum grünsten Landstrich Griechenlands. Die zwischen den Gebirgszügen liegende weite Ebene wird landwirtschaftlich genutzt. An ihren Rändern entstanden im 4. Jahrhundert v. Chr. kulturelle Zentren wie Mantíneia, Orchomenós, Tegea und Megalópolis.  


Arkadien ist eine Landschaft, die durch Gegensätze geprägt ist. Einerseits gibt es das idyllisch überhöhte Arkadien dichtender und musizierender Schäfer und Schäferinnen, das seit der Verherrlichung durch Vergil (70–19 v. Chr.) in augusteischer Zeit zum Land der Sehnsucht geworden ist. (Abb. 3) Andererseits gibt es aber auch das urwüchsige, raue und karge Arkadien, das ebenfalls Eingang in die Literatur fand. So schreibt Ovid (43 v. Chr.–17 n. Chr.) über die Bewohner dieser Landschaft: „Jenes Volk war älter als der Mond. Ein Leben den Tieren gleich, von keinem Nutzen angetrieben. Das Volk war roh und kannte keine Künste.“
Beide Charakterisierungen dieser Landschaft vereinen sich in den Schilderungen des aus Arkadien stammenden Historikers Polybios (ca. 200–120 v. Chr.), der in seiner mehrbändigen Abhandlung über die Geschichte Griechenlands zwischen 264 und 146 v. Chr. die Licht- und Schattenseiten dieser einzigartigen Landschaft und seiner Bewohner darstellte. Er berichtet darin von der Gastfreundlichkeit der Arkader, ihrer Gottesfürchtigkeit und ihrer besonderen Liebe zur Musik und zum Tanz, vergass dabei jedoch nicht die Härte des Lebens in dem zerklüfteten Bergland. Polybios schreibt, dass die Arkader den negativen Einfluss der Kälte und der Grausamkeit ihrer Umgebung einzuschränken suchten, indem sie: a) die Musik in ihre Erziehung einbezogen, b) jedes Jahr öffentliche Tänze im Theater aufführten, c) öffentliche Versammlungen einführten und d) viele Altäre zur Verehrung der Götter errichteten.


Pan, der bocksbeinige Gott, dessen liebster Aufenthaltsort Arkadien war, ist der bekanntesten Überlieferung folgend der Sohn des Hermes und der Eichennymphe Dryops. Er vereint in seiner Person ebenfalls beide Wesensmerkmale Arkadiens. Einerseits ist Pan der Gott der Natur, des Waldes und der einfachen Hirten. Die Schäfer verehrten ihn als Gott der Wiesen und baten um Schutz für ihre Herden, doch fürchteten sie gleichzeitig seinen Anblick. Missachteten sie seine heilige Mittagsruhe, jagte er durch die Herden und trieb sie auseinander. So geht nicht zuletzt der Begriff ‚panische Furcht’ auf diesen Gott zurück, dem es der Legende nach gelang, bei der Schlacht um Marathon die Persische Streitmacht zu spalten.
Andererseits aber ist Pan durch hohe Musikalität ausgezeichnet. Der Überlieferung gehört Pan zum Gefolge des Dionysos, dem Gott des Weines und der Fruchtbarkeit. Er erfreute mit der nach ihm benannten Panflöte die dionysische Gefolgschaft von Nymphen und Satyrn. (Abb. 4) Darstellungen des bocksbeinigen Gottes sowie von Hirten und Bauern sind in Arkadien in einer besonders großen Variationsbreite schon seit geometrischer Zeit (11.–8. Jahrhundert v. Chr.) anzutreffen. (Abb. 5 & 6)


Im VIII. Buch berichtet Pausanias, dass in Arkadien mehr altertümliche Heiligtümer zu finden seien als in anderen Teilen Griechenlands. Die heiligen Stätten ständen in Zusammenhang mit Hainen, Bäumen, Quellen, Brunnen, Grotten und Grabhügeln, also Elementen, die später Eingang in die Gartenkunst fanden. Die Heiligtümer seien durch Altäre gekennzeichnet, aber stünden nicht mit architektonischen Ausgestaltungen, wie Tempeln und Schreinen in Verbindung. Pausanias nennt u. a. die 'Artemis im Wacholderbaum' bei Orchomenós, den Brunnen des Dionysos in Megalópolis, die Höhle der Demeter bei Phigalia und den Altar des Pan bei Tegea.

Die Blütezeit Arkadiens

Ende des 5. und Anfang des 4. Jahrhunderts v. Chr. setzte ein Aufschwung im Kunstschaffen Arkadiens ein. Noch heute muss man sich nach Arkadien begeben, will man bestimmte Werke von Bildhauern und Baumeistern, wie Praxiteles aus Athen (ca. 390–320 v. Chr.) oder des Skopas aus Paros (ca. 420–330 v. Chr.) studieren. So wurde der archaische Tempel der Athena Alea in Tegea, der seit der archaischen Epoche zu den bedeutsamsten religiösen Orten der Peloponnes zählte, nachdem er 394 v. Chr. völlig niederbrannte, von 370 bis 350 v. Chr. durch Skopas neu gestaltet. (Abb. 7)


Die Stadt Tegea, die jahrhundertelang eine der mächtigsten Städte Arkadiens war, ist auch sonst reich an qualitätvollen Skulpturen, deren Schöpfer anonym geblieben sind. Die von außerhalb kommenden Einflüsse trieben auch die heimische Kunst zur Blüte. So zeichnen wohl arkadische Künstler für die Relieffriese und Metopen des durch seine architektonischen Neuerungen bedeutsamen Apollontempels in Bassai verantwortlich.
Den Tempel der Athena Alea in Tegea und den Tempel des Apollon (Abb. 8 & 9) aus dem späten 5. Jahrhundert in Bassai bezeichnet Pausanias als die schönsten der gesamten Peloponnes. Als Architekt des Apollontempels gilt Iktinos. Er war einer der Architekten des Parthenon auf der Athener Akropolis (Bauzeit 448–437 v. Chr.). Besonderes Merkmal beider Tempel ist die Vermischung der Säulenordnungen. Während der Außenbau durch die dorische Ordnung gekennzeichnet ist, wurden im aufwändig dekorierten Innenraum sowohl die ionische, als auch die korinthische Ordnung verwendet. (Abb. 10) Mit dieser Innovation setzten sich die Arkader zu dieser Zeit an die Spitze der Kunstschaffenden in ganz Griechenland.


Der Aufbruch in der Baukunst setzte sich fort; es wurden neue Städte gegründet und alte umgebaut. Der Bau folgte dabei dem ‚hippodamischen’ Rasterplan, benannt nach dem Stadtbaumeister Hippodamos von Milet aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., der mit den Stadtplanungen von Milet, Priene und Alexandria Ruhm erwarb. (Abb. 11) Die Gleichheit aller Stadtbewohner wurde der griechisch-demokratischen Tradition entsprechend durch die Gleichartigkeit der Typenhäuser ausgedrückt, welche die schnurgeraden, rasterartigen Straßen dieser Städte säumten. Der Marktplatz, die Agora, war umgeben von Gebäuden, die der Allgemeinheit dienten: Verwaltungsgebäude, Bäder, Schulen, Sportstätten und das Theater. Eine solche Agora besaß u. a. die Stadt Tegea. An der Ostseite des Marktplatzes befand sich ein aus Erde aufgeschüttetes Theater. Pausanias beschreibt den Platz als ziegelförmig, umgeben von verschiedenen Kultstätten, Altären, Skulpturen und Säulen mit Aufschriften, z.B. einem Tempel der Aphrodite und einem Tempel der Ilithieas, Göttin der Entbindung.
Die Architekturlösungen, die im 4. Jahrhundert v. Chr. in Arkadien gefunden wurden, lebten bis in römische Zeit fort und trugen dazu bei, dass das Interesse an dieser Region nicht schwand.


Die Landschaft und Kultur Arkadiens vereint die Gegensätzen und hebt sie in sich auf, so dass sowohl Ovids altertümlich-rohes als auch Vergils kunstsinnig-idyllisches Arkadien ihre Berechtigung haben. Das Spannungsfeld zwischen den widersprüchlich erscheinenden Wesenszügen dieses Landstrichs und seiner Bewohner macht den Reiz Arkadiens aus. Dass Vergil sein idyllisches Arkadien in das griechische Arkadien versetze, war demnach keine willkürliche Wahl.

Arkadien heute

Im heutigen Arkadien existieren Kulturzeugnisse aus vier Jahrtausenden nebeneinander. Die prähistorische Wohnsiedlung von Sakovouni, Reste antiker Anlagen aus der archaischen, klassischen, hellenistischen und römischen Epoche sowie byzantinische Kirchen und Bauten des 19. Jahrhunderts können in Arkadien in unmittelbarer Nähe zueinander besichtigt werden. Der überwiegend agrarisch geprägte Landstrich, dessen Bewohner sich dem Umweltschutz verschrieben haben, ist weitgehend unberührt vom Massentourismus anderer Gebiete Griechenlands.


 

 
 
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