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Pausanias der Perieget – Reiseschriftsteller der Antike
Date Submitted: 30/07/2007 Date Last Modified: 31/07/2007

Pausanias, dessen Beiname „Perieget“ sich vom griechischen Wort für „herumführen“ ableitet, beschrieb auf seinen ausgedehnten Reisen große Teile des Griechenlands seiner Zeit. Zehn Bücher seiner „Periegesis Hellados“ (Beschreibung Griechenlands) sind uns heute bekannt. Unter Hellas versteht Pausanias das griechische Mutterland auf der Balkanhalbinsel, während Sizilien, Kleinasien und viele der griechischen Inseln keine Erwähnung finden.
Pausanias bereiste die Landschaften, die er in seinen zehn Büchern beschrieb, mehr als zwanzig Jahre lang. Die erwähnten Ereignissen wie die olympischen Spiele, aber auch Gebäude und deren Baugeschichte, lassen den Beginn seiner Reisen auf die Zeit um 155 n. Chr. datieren. Seine Heimat war wohl das Syplosgebirge im Nordwesten Anatoliens. Da Pausanias eine umfassende Bildung genossen hat, weist alles auf die Stadt Magnesia als seine Heimat hin. Um eine solche Ausbildung und ausgedehnte Reisen finanzieren zu können, bedurfte es auch im 2. Jahrhundert einiger finanzieller Mittel, sodass Pausanias wohl einer wohlhabenden Familie entstammte.
Seinen Reiseplänen kam zugute, dass das 2. Jahrhundert durch besonders lange Friedensperioden und Wohlstand ausgezeichnet war. Die Bürgerkriege und die Zeit der Annexionspolitik waren weitgehend beendet. Die so genannten 'guten Kaiser' Trajan, Hadrian, Antonius Pius und Marcus Aurelius gelten als Philhellenen, die ein Herz für die nicht-römische Bevölkerung hatten. Erst der Frieden und der durch ihn begründete Wohlstand erlaubten das Reisen von Provinz zu Provinz.


Pausanias beginnt seine Beschreibung im Buch I mit Athen und Attika, geht in Buch II nach Korinth, in Buch III nach Lakonien und in Buch IV nach Messenien. In Buch V und VI bereist er Elis, wobei die Beschreibung Olympias besonders viel Raum einnimmt. Buch VII widmet sich Archaia und Buch VIII Arkadien. Das IX. Buch widmet sich Böotien und Buch X erzählt von Phokis und dem Heiligtum in Delphi. Die Beschreibungen folgen einem immer ähnlichen Schema. Jedes dieser Bücher beginnt mit einer allgemeinen Einleitung, in der die kulturellen Besonderheiten der Bevölkerung einer Landschaft beschrieben werden. Pausanias erzählt von den Kulten, Dialekten, Mythen und Lebensformen und auch von der Geschichte, wobei Mythos und Geschichte fließend ineinander übergehen. Die darauf folgende Beschreibung seiner Reiseroute geht ebenfalls immer nach demselben System vor: Pausanias begibt sich von der Grenze auf dem kürzesten Weg zur Hauptstadt, wo er die Sehenswürdigkeiten erläutert. Dabei zieht er dem Neuen das Alte und dem Profanen das Heilige vor. Er verlässt die Stadt durch ein Tor und folgt der Straße zur Grenze. Auf diesem Weg erwähnt er, was ihm beachtenswert erscheint. Hat er die Grenze erreicht, kehrt er zurück zur Hauptstadt und wählt ein weiteres Stadttor. Er wiederholt dieses Muster bis alle Himmelsrichtungen der Provinz beschrieben sind. (Abb. 1)
Während Philologen und Historiker im 19. Jahrhundert nur wenig Beachtenswertes in diesen Texten fanden, erkannte Heinrich Schliemann den Wert des Pausanias für die Archäologie. Seine Beschreibungen waren so genau und detailliert, dass Grabungsorte mit seiner Hilfe erfolgreich bestimmt werden konnten. So konnte Schliemann mithilfe des Passus über Mykene 1876 die Gräber des Atreus und des Agamemnon innerhalb der Mauern der Akropolis entdecken. Darüber hinaus dienen von ihm zitierte Inschriften und Erläuterungen zu Denkmälern und ihren Künstlern den Archäologen heute für Identifikationen und Zuschreibungen von Skulpturen. Ohne die Überlieferungen des Pausanias wäre z. B. der Bildhauer Damophon aus den 2. Jahrhundert v. Chr. völlig unbekannt und seine Werke in Messene hätten nicht zugeschrieben werden können.


Pausanias und die Natur der Arkader

In den Beschreibungen Arkadiens macht Pausanias immer wieder deutlich, wie innig die Beziehung der Arkader zur Natur war. Heilige Haine und Quellen sind nicht nur in der Nähe von Heiligtümern zu finden. So wuchsen in Psophis Zypressen um das Grab des Alkmaion herum; sie durften nicht abgeschlagen werden, weil sie als heilige Jungfrauen galten. (24/7-8) Heilige Haine waren oft den Göttern allein vorbehalten und durften nicht von Menschen betreten werden. So befand sich hinter dem Heiligtum der Großen Göttinnen in Megalopolis ein mit Bäumen bewachsener eingefriedeter Bereich, der den Menschen verboten war. (31/5)
Bäume und Quellen konnten Glück, aber auch Unglück heraufbeschwören. Die Stadt Kynaitha beherbergte eine Quelle über der eine Platane wuchs. „Wer von einem tollwütigen Hund entweder eine Wunde, oder sonst einen Schaden erlitten hat, dem bringt ein Trunk von diesem Wasser Heilung, und deshalb nennen sie die Quelle Alyssos (‚die Tollwutheilerin’). Und so scheint bei den Arkadern das Wasser bei Pheneos, das Styx heißt, zum Unglück für die Menschen geschaffen zu sein, die Quelle bei Kynaitha aber ein gutes Gegengewicht gegen das Unheil dort zu sein.“ (19/2-4)
Doch nicht nur dinglich fassbare Naturerscheinungen wurden laut Pausanias von den Bewohnern Arkadiens verehrt. Ginge man von Megalopolis den Fluss Helisson entlang, sei rechts des Weges ein heiliger Bezirk für den Wind Boreas angelegt worden. „… und die Megapoliten opfern ihm jährlich und halten ihn nicht weniger als irgendeinen anderen Gott in Ehren ...“ (35/6)
In der Nähe der Stadt Akakesion zeigte ein Heiligtum des Pan, dass diesem Gott in seiner Heimatprovinz mehr Macht zugesprochen wurde als in anderen Gegenden üblich. Denn „dieser Pan ist wie die mächtigsten Götter imstande, Gebete der Menschen zu erfüllen und Missetätern die angemessene Strafe zukommen zu lassen.“ (37/11) Auch die Schildkröten im Partheniongebirge, die zur Herstellung von Leiern besonders geeignet waren, wagten die Bewohner nicht zu fangen, noch duldeten sie, dass sie von anderen gefangen würden. „Sie halten sie nämlich für dem Pan heilig.“ (54/7)


Naturverbundenheit der Arkader kam auch in ihren Opfern an die Götter zum Ausdruck. Pausanias selbst opferte der Demeter Melaina (‚die Schwarze’) in einer Höhle bei Phigalia, wo die Göttin sich vor Trauer um ihre von Hades entführte Tochter Persephone versteckt haben sollte. Er „opferte der Göttin, wie es auch die Einheimischen machen, nichts anderes, sondern die Früchte von Fruchtbäumen und Weintrauben und Bienenwaben und Wolle, die noch nicht zur Verarbeitung gekommen ist, sondern noch voll Schmutz, was sie auf den Altar, der vor der Höhle gebaut ist, legen, und dann gießen sie noch Öl darüber.“ (42/11)
Nicht zuletzt weist der Beiname, den die Arkader schon in der Frühzeit erhalten haben, sie als naturverbundenes friedliebendes Volk aus. Pausanias nennt Pelasgos als den ersten König Arkadiens. Dieser sei ausgezeichnet gewesen durch Größe, Stärke, Schönheit und Verstand. Er habe den Bau von Hütten erfunden um sein Volk vor den Elementen zu schützen. „Außerdem brachte er die Menschen davon ab, noch grüne Blätter, Gräser und Wurzeln, die ungenießbar und sogar giftig sind, zu verzehren; dagegen entdeckte er die Frucht der Eichen, und insbesondere die Eichel des Phegosbaumes als Nahrungsmittel.“ (1/5-6) Die durch Pelasgos eingeführte Ernährungsweise wurde zum Kennzeichen des arkadischen Volkes über die Grenzen der Provinz hinaus, sodass die Arkader oft als eichelessende Männer und Frauen bezeichnet wurden.

Auf den Spuren Pausanias in Tegea

Pausanias sagte über den Athena Alea Tempel in Tegea, dass er bei weitem alle Tempel an Ausstattung und Größe überrage, die auf der Peleponnes zu finden seien. Er beschreibt die Vermischung der dorischen, ionischen und korinthischen Ordnung als kennzeichnend für diesen Sakralbau, dessen Baumeister Skopas aus Paros gewesen sein soll. Pausanias berichtete, dass im Giebelfeld über dem Eingang die Jagd auf den kalydonischen Eber dargestellt war; eine der zwölf Taten des Herakles bei der sich die Tegeaten als besonders mutig erwiesen hatten. Im rückwärtigen Giebelfeld war Telephos Kampf gegen Achilleus in der Kaikosebene ausgeführt. Der Bauschmuck des Tempels kann im Museum von Tegea bzw. im Athener Nationalmuseum besichtigt werden.


Das Ausgrabungsareal des Athena Alea Tempels ist heute frei zugänglich. Die Trümmer geben noch immer Zeugnis von den gewaltigen Dimensionen und der architektonischen Raffinesse des monumentalen Ringhallentempels aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Als wichtigste Polis des Zentralpeloponnes in archaischer Zeit hatte Tegea die wirtschaftliche und politische Macht, einen derartigen Tempelbau errichten zu lassen.
Der Vorgängerbau des Tempels, dessen Überreste heute besichtigt werden können, fiel wohl 395 v. Chr. einem Brand zum Opfer. Der Sieg im Krieg gegen Sparta hatte die Kassen gefüllt und die politische Stellung Tegeas gefestigt, sodass um 362 v. Chr. der Neubau aus weißem Marmor begonnen wurde. Die nachweislichen Vorbilder des Kultbaus waren die Tempel auf der Akropolis in Athen. Das Athenaheiligtum in Tegea ist nicht nur stuckiert, sondern wie der Parthenon vollständig aus behauenem Marmor. Säulendurchmesser und Abstand zwischen den Säulen entsprechen den Propyläen, während die Ornamentfriese durch die des Erechtheions inspiriert sind. Die 6 x 14 Säulen ziehen sich großzügig um die Cella herum, deren Innenraum den damaligen Betrachter schwer beeindruckt haben muss, denn sein Blick wurde nicht, wie üblich durch Innenstützen verstellt. Der Wand vorgelegt waren Halbsäulen – unten in korinthischer, oben in ionischer Ordnung, die die Wandflächen rhythmisch gliederten. Der Tempel vereinte in seiner Zeit hochmoderne Formen mit älteren Architekturtraditionen.


Von den Bauten des antiken Tegea ist außer dem Tempel nicht viel erhalten. Doch haben Ausgrabungen gezeigt, dass es seiner Ausdehnung nach eine Großstadt gewesen sein muss. In dem zwei Kilometer entfernten Dorf Stádion wurden Teile des Theaters aus hellenistischer Zeit freigelegt. Pausanias berichtet, dass schon zu seiner Zeit nur noch die Basen der Bronzeskulpturen erhalten waren, die das Theater schmückten.
Die große Vergangenheit Tegeas ist ein kostbares Erbe, das der Stadt den Blick für ihre Möglichkeiten in der Zukunft eröffnen kann.

 
 
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