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Die Landschaft des Forez, das Land der Astrée
Date Submitted: 30/07/2007 Date Last Modified: 31/07/2007

Der Forez liegt inmitten des Departements Loire in Frankreich, am Ostrand des Zentralmassivs auf halbem Weg zwischen Lyon und Clermont-Ferrand. Er bietet dem Reisenden, der sich ihm von Lyon, von Roanne oder Saint Etienne her nähert, den friedlichen und angenehmen Anblick einer nicht allzu weit ausgreifenden Ebene, die sich zwischen nicht zu hohe Berge schmiegt. Von Süden nach Norden durchfließt die Loire die Ebene des Forez.
Auf den Gipfeln der Monts du Forez, die bis 1634 m ansteigen, erstrecken sich kahle, dem Wind und dem Schnee ausgesetzte Hochflächen, die Hautes Chaumes, die in den Sommermonaten als Weideland genutzt werden.
Dies ist die Heimat eines der berühmtesten Schäferromane: L'Astrée (1607-27) von Honoré d'Urfé. Die Schäferin Astrea feiert 2007 das vierhundertjährige Jubiläum ihres Erscheinens.


 
"Nicht fern von der uralten Stadt Lyon/ gegen Niedergang der Sonnen/ ist gelegen ein kleines Ländlein/ Forest genennet/ welches/ ob es wohl von Begriff und Umfang/ nicht besonders groß noch weitläufig/ so hat es doch keinen Abgang noch Mangel an irgendeinem Dinge/ zu menschlichem Unterhalt gehörig/ dessen man ansonsten in dem ganzen Königreich Frankreich sich erholen konnte.(…) Die Mitte dieses Landes/ ist eine schöne lustige Ebene/ ring herum mit Bergen/ gleichsam als mit Mauern umgeben und verwahret. Dahindurch läuft der Fluss Loire/ (…) So befinden sich darinnen hierüber noch viel andere lustige klare Bäche/ und schöne Ströme/ unter welchen einer der fürnehmsten der Lignon ist/ so von den Gebirgen Cervieres und Chalmasel herab fället (…)


In obengedachter Ebene (…) haben sich von alten Zeiten her/ je und allerwege eine grosse Anzahl Schäfer aufgehalten: Welche/ so wohl wegen guter Luft/ als der besonderen Fruchtbarkeit des Ortes/ in allem erwunschenem Wohlstand/ ihrer unschuldigen und geringen Gelegenheit zu leben nach/ ungehindert und ungefürchtet aller Ungemachsamkeit und Anstösse/ so die gewöhnlichen Unfälle der höhern Standespersonen in der Welt täglich zuzurüsten pflegen/ ihre Zeit in aller still/ ruhsam und mit gutem Mut/ zubrachten: also dass sie/ meines Erachtens/ solchen ihren glückseligen Zustand auch gegen aller der Freude und Wollust/ so man von der allerersten Welt/ währender Goldenen Zeit/ so hoch zu rühmen pflegt/ zu verwechseln keine Ursache gehabt hätte/ wenn nicht Amor solche durch die himmlische Begnadung/ ihnen ganz überflüssig/ und reichlich verliehenen Glückseligkeit/ durch seine Bitterkeit zum Teil versalzen und irre gemacht hätte." (Honoré d'Urfé: Die Schäferin Astrea [1. Teil, frz. 1607; dt. 1624)

 

Honoré d’Urfé (1568–1625) ist der bekannteste Autor aus dem Forez. Sein Schäferroman, L'Astrée, ist trotz seines stattlichen Umfangs eines der meistgelesenen Werke seiner Zeit. Der Roman erschien in Fortsetzungen zwischen 1607 und 1627; er umfasst 5 Teile, 60 Bücher und 5399 Seiten. Schier unglaubliche 293 Personen handelnde Personen treten in 40 verschiedenen Geschichten auf, die von Liebe, Leidenschaften, Tugend und Ehre handeln. Die beinahe endlos erscheinende Suche des Schäfers Celadon nach seiner Schäferin Astrea, die ihnen und den vielen Nebenpaaren auf dem Weg zur richtigen, angemessenen Liebe zustoßenden Verwechslungen und Sinnestäuschungen ist eingebettet in Debatten um die Facetten menschlicher Leidenschaften und das richtige Verhalten. Hinter den Schäfern verbirgt sich freilich ein Orden von Standespersonen, es sind Höflinge auf dem Lande, die, in Brokat, Taft und Seide gewandet, Schäfer spielen. Ihr Trachten nach der richtigen, dabei auch "natürlichen" Liebe ist eingebunden in das Ringen um das rechte Konzept der adligen Ehre unter den Bedingungen höfischer Lebenspraxis. D'Urfé entwirft ein Bild des Adels, das den menschlichen, moralischen und politischen Konflikten seines Alltagslebens die Sehnsucht nach der Idylle, nach einer einfachen, bescheidenen Existenz entgegensetzt.


 

Das poetische Arkadien in einer realen Region

Cervantes, der Dichter des „Don Quichote“, hatte Ende des 16. Jahrhunderts in seinem Werk Galatea (1585) erstmals die arkadischen Gefilde, das utopische Arkadien in seine spanische Heimat verlegt. Honoré d'Urfé lokalisiert sein Arkadien nicht nur an einem konkreten geografischen Ort, dem Forez, sondern weist ihm auch erstmals eine konkrete Handlungszeit zu. Es war dies die Zeit des Zerfalls des römischen Weltreichs und der Völkerwanderung mit dem Einfall der Germanenstämme, der Franken, der Goten und Vandalen im ausgehenden 5. Jahrhundert. Das war eine der Krisenzeit um 1600 vergleichbare Epoche, in der Kriege und religiöse Auseinandersetzungen ganz Europa in Atem hielten. D'Urfés Schäfer des Forez werden zu Repräsentanten eines Mentalitätswandels, der am Beginn der politischen Neuordnung in Frankreich steht. Die Schilderung des friedlichen Zusammenlebens von Römern, Franken und Kelten kann als Stellungnahme zur Regierung Heinrichs IV. und zum Toleranzedikt von Nantes gelesen werden. Die Handlung von L'Astrée spielt im Gallien des ausgehenden fünften Jahrhundert, der Hochzeit der Völkerwanderung. Der Forez ist umgeben von den im Untergang befindlichen Römern im Süden und den Westgoten im Osten. Der germanische Stamm der Burgunder, der skandinavischen Ursprungs ist, und die germanische Franken siedeln sich in französischen Gebieten wie der heutigen Bourgonie, Dauphiné oder der Ile de France an. Die Franken, so sieht es d'Urfé in seinem Roman, die sich genealogisch von den Trojanern, den angeblichen Gründern Roms, ableiten, bilden den Herrscherstamm des künftigen französischen Nation. Um deren Herrschaft in Gallien zu rechtfertigen, erklärt er die Franken als eine einst nach Germanien ausgewanderte Gruppe der Gallier, die quasi durch die Völkerwanderung in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehrt. Gleichzeitig sind die Gallier des Forez verwandt mit den anderen europäischen Völkerschaften, auch den Germanen und insbesondere den Thüringern und den Schwaben. Es sind insbesondere die Prinzen und Prinzessinnen, unter ihnen auch die aus Weimar (vgl. Tafel 11), die die Stammeltern der vornehmen Schäfer des Forez sind. Wie d'Urfé im 11. Buch des 3. Teiles erzählt, siedelten hier einst auch die Franken. Das Gebiet des Forez, das Zentrum der Schäfergesellschaft, erscheint damit als die kulturelle Keimzelle der französischen Nation, ja ganz Europas.

„… Ich hielt es für besser, dieses Land zu ehren, in dem meine Vorfahren seit ihrer Ankunft aus Schwaben so viele Jahrhunderte ehrenvoll gelebt haben, als ein Arkadien wie beim Sannazare“.
 
  • (Honoré d’Urfé: Brief an die Schäferin Astrée, Vorwort 1.Teil, 1607) (das vielleicht auch als Einzelzitat)
 

Die Astrée- eine moralische und politische Utopie

Honoré d'Urfé war ein Kriegsmann, der an den Kämpfen seiner Zeit teilnahm, sich aber nach Frieden und Harmonie sehnte. Die Schäferin Astrée hat ihren Namen von der Göttin der Gerechtigkeit Astraea. Sie verließ die Erde, als die Menschen sich in Kriegen entzweiten. Ihre Rückkehr sollte die Wiederkehr des Goldenen Zeitalters einleiten. Im Roman sucht Céladon nach Astréa. Sie wiederzufinden bedeutet für ihn wie in der griechischen Mythologie zweierlei: die wahre Liebe und das Goldene Zeitalter zu finden.

Zahlreiche Romanfiguren der Astrée reisten aus ganz Europa in das Forez, um hier Schäfer zu werden. Als Hirten, Pilger und Dichter sind sie auf der Suche nach Frieden, Wahrheit und wahrer Liebe. Der kleine Fluß Lignon bildet die symbolische Grenze zwischen dem von den Schäfern gewählten Arkadien und der von Ehrgeiz und Machtkämpfen beherrschten Gesellschaft. Am linken Ufer des Lignon wohnen die Schäfer aus ganz Europa.
 

Dort in der Ebene schworen sie in gegenseitigem Einverständnis, für immer jeder Art von Ambition zu entsagen, weil sie allein Ursache von so viel Leid ist, und fortan friedlich mit den ihren als Hirten zu leben.“ (L’Astrée, Teil I, Buch 2)

 
 
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